Deutschkurse für in Eberstadt untergebrachte Flüchtlinge

Im November etablierte sich ein Team von fünf Unerschrockenen, um an der Christuskirchengemeinde Deutschkurse für in Eberstadt untergebrachte Flüchtlinge anzubieten. Unerschrocken, weil keiner von uns Experte für Deutsch als Fremdsprache ist. Herr Ries vom Kirchenvorstand organisierte die Teilnehmer: Wir starteten mit Menschen, die im „Darmstädter Hof“ untergebracht waren.

Es gibt viele Angebote für Lehrmaterial und Anregungen für Methodik. Aber bald stellte sich heraus, dass die Anforderungen sehr vielfältig sind: Es kommen nicht immer die, die auf der Liste stehen: Besprechung in der Unterkunft, Besuch beim Sozialamt, Arzttermin und das leidige Aufstehen – der Kurs beginnt montags und donnerstags schon um 10:30 Uhr – machte aus der Truppe eine bunte Mischung mit einem harten, unerschütterlichen Kern. Es kommen Junge und Ältere, Frauen und Mädchen – und wenn sie da sind, sind sie emsig dabei und haben viel Spaß. Das liegt nicht zuletzt daran, dass die einladende Umgebung unseres Gemeindehauses ergänzt wird durch ein morgendliches Teeritual und die lockere Gestaltung des Ablaufes. Die Spannweite der Möglichkeiten der Teilnehmer vom Analphabeten bis zum im Heimatland vorgebildeten und ausgebildeten Menschen hat uns bewogen, drei Gruppen zu bilden. Mit der Zeit hat sich auch eine sehr auf die Teilnehmer zugeschnittene Methodik entwickelt. Hier erweist sich die Erfahrung von zwei pensionierten Pädagoginnen als sehr hilfreich.

Wenn wir auch keine Deutsch-Zertifikate ausstellen, sind die Termine für die meisten Teilnehmer willkommene Punkte im Tagesablauf. Inzwischen kommen viele der Teilnehmer auch aus diesem Grund von weiter her. Einer macht sich manchmal per Rad von Arheilgen auf zu uns.

Neben dem Erlernen der Sprache gibt es natürlich auch andere Themen, die in einem inzwischen so vertrauten Kreis behandelt werden. Dazu wird dann auch gern tatkräftige individuelle Hilfe geleistet. Wohnungssuche, Arztbesuche, Amtstermine: zu allem gibt es bedrucktes, amtliches Papier, das keine Rücksicht auf die sprachlichen Fähigkeiten nimmt und Fragen aufkommen lässt, die oft mit handelnder Unterstützung  beantwortet werden. Oder es fehlt an Dingen zur Einrichtung einer Wohnung, an Geschirr, an Bettwäsche oder…

Für einige gibt es mittlerweile dienstags am Nachmittag eine Kombination aus Sprach- und Fachunterricht. Zwei Jugendliche, Kinder eines Kursteilnehmers, die ins Schuldorf Bergstraße gehen, kommen mit Fragen zu ihren Fächern und lernen Deutsch. Daran nehmen auch fortgeschrittene Schüler der offiziellen Termine teil.

Je besser man sich kennenlernt, desto persönlicher wird der Informationsaustausch. Es entstehen unter Umständen auch private Kontakte. Wir erfahren über die Schicksale dieser Menschen aus erster Hand, was sie bewogen hat, ihr Land zu verlassen und wie sie sich bei uns fühlen. Und wir können ihnen sagen, wie unsere Lebensvorstellungen sind, ohne dass es eines erhobenen Zeigefingers bedarf.

Bei uns gibt es zwar kein Deutsch-Zertifikat, aber Deutschland zum Anfassen.

Manfred de Haas